Samstag, 26 November, 2016

Die schönen Momente zählen

Das erste Advent-Wochenende ist da. Kerzen werden angezündet, Tannengrün beduftet den Raum. Eine wundervolle Lichterzeit beginnt.

Diese Zeit ist sehr intensiv: Festvorbereitungen. Geschenke finden. Der Alltag mit seinen Herausforderungen. Persönliche Themen, die zusätzlich oben drauf kommen...

Manchmal erwische ich mich - nicht nur jetzt, sondern während des ganzen Jahres - bei dem Gedanken: "Wäre dies oder das doch schon vorbei." Als könnte ich erst danach entspannen, als ginge mein Leben erst dann schön weiter. Dieser Gedanke ist ein Trugschluss wie wir alle wissen: Denn danach kommt Neues, das Stress auslösen kann. Irgend etwas ist nun mal immer.

Deswegen zählen die schönen (kleinen und großen) Momente, die ich heute erlebe. Jeden Tag. Zwischen all dem Stress und vor herausfordernden Aufgaben, die eigentlich all meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kleine Lichtinseln, wo ich Kraft tanke, aufatme, mir selbst etwas Gutes tue, Freude fühle, mich verwöhne.

Diese Lichtinseln sind das, was in uns in Erinnerung bleibt, was selbst in stressigen Zeiten möglich war. Sie können Schmerz, Leid, Zeitknappheit überstrahlen und schenken uns Lebendigkeit. Das Gefühl, wirklich zu leben.

Wir können diese Lichtinseln selbst in unserem Alltag erschaffen. Für jeden ist es etwas anderes, das uns gut tut: Die Begegnung mit einer Freundin. Spazieren gehen. Das Adventsgesteck selbst basteln. (War eine freudvolle Erfahrung für mich und eine tolle Erinnerung an früher, wo ich das öfter tat.) Fotos auf dem Handy betrachten. Ein Chat mit einer Freundin. (Ich habe Freude daran, Sprachnachrichten mit einer meiner Freundinnen auszutauschen. So können wir sie dann abhören, wenn wir Zeit haben. Antworten, wenn wir Zeit haben. Ein Segen und wir bleiben in Kontakt.) Einen schönen Film auf der Couch schauen, wo ich es mir kuschelig und gemütlich mache, einen dampfenden Tee dazu.

Heute mache ich es mir gemütlich. Heute lebe ich. Nicht erst dann, wenn eine Herausforderung geschafft ist.

Ich wünsche Ihnen ein bezauberndes erstes Adventswochenende und dass Sie - gleich was gerade in Ihrem Leben passiert - berührende und schöne Momente erleben, die das Leben lebenswert machen!

Zwei Geschenke für ein ganzes Jahr Freude finden Sie in meinem Webshop. Ich freue mich auf Ihre Bestellung. Damit machen Sie nicht nur die Beschenkten glücklich, sondern auch mich. :-)

Eingang zu besonderen Geschenken

Herzlich

Anja Kolberg

PS: Die Advent-E-Cards sind online.

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Donnerstag, 17 November, 2016

Ich bin ein Dinosaurier

Ich brauche einen neuen Drucker fürs Büro. Mein Laserdrucker hat schon mehr als 20 Jahre zu Diensten gestanden. Erst war er bei einem früheren Arbeitgeber Jahre im Einsatz und als ich mich selbstständig machte und das Unternehmen verlies, konnte ich den damals dort ausgedienten Drucker günstig kaufen.

Schon einige Jahre hat er Probleme mit neuen Windowsversionen. Es gibt keine Druckertreiber mehr und er ist laut, was mich so stresst, dass ich ihn gleich nach dem Drucken wieder ausknipse. Zudem: Ob am Schadstoffaustritt von Laserdruckern was dran ist? Die Experten streiten sich. Da ich durch meine gesundheitlichen Herausforderungen jedoch sensibilisiert bin - ich berichtete u.a. in den Monatlichen Impulsen, hier teilweise im Blog - will ich alle in Frage kommenden Ursachen möglichst beseitigen. Also ist der verdiente Ruhestand für meinen HP Laserjet 5M jetzt endgültig gekommen. Warst eine treue Seele! Du hast mir unerlässlich zur Seite gestanden. Tolle Leistung!

Ein Tintenstrahldrucker sollte es nun sein. Leiser, umweltfreundlicher, gesünder als Laser, am liebsten mit Kopierer und Scanner und - besonders wichtig - einem zweiten Papiereinzug für mein grünes Shop-Papier und für Briefpapier.

Im Internet suchte ich schon vergebends in den unendlichen Möglichkeiten, wälzte Testberichte, fand Modelle, las Rezensionen, verwarf sie wieder ... Legte das Thema Drucker einige Wochen ganz beiseite ... Bis ich gestern dachte:

So jetzt aber und stiefelte in einen Elektronikmarkt. Ich wollte mich vor Ort beraten lassen und auch gleich kaufen. Das wäre für mich die beste Lösung. Die Flut der Möglichkeiten erschlug mich auch dort. Wo bitte schön ist da der Unterschied? Ich druckte bisher nichts buntes, weil der Drucker nur schwarzweiß konnte. Brauche ich überhaupt Farbe? Und was ist mit den Verbrauchskosten? Himmel. Eine Gruppe junger Verkäufer fachsimpelte über den Weltraum (?) und ich fragte, ob sich einer der Herren auch mit Druckern auskennen würde, ich bräuchte Rat.

Zack, war schon einer neben mir. Ich schilderte ihm meine Situation und das erste, was ich hörte, war:

"Zweites Papierfach haben wir bei den Druckern gar nicht mehr im Programm. Gibt es auch kaum noch, außer im Businessbereich. Die Hersteller richten sich nach den Bedürfnissen der Anwender." (Es ist klar, dass sich ein Elektronikmarkt nicht an größere Businessanwender richtet (dazu gehöre ich nicht), sondern nach dem, was die breite Masse braucht. Doch offensichtlich gehöre ich nicht zur breiten Masse...)

"Das heißt, sie haben keine Lösung für mich? Jetzt entscheide ich mich endlich und dann.... Mist. Wie machen das denn die anderen Firmen, die haben doch auch Firmenpapier plus normales Papier."

"Heute wird kaum noch gedruckt. Einladungen, Rechnungen, Informationen... wird alles per Mail oder App verschickt. Es gibt Drucker bei uns, aber nicht mit zwei Papierfächern, wie sie ihn brauchen. Marten Sie mal, wir hatten mal einen im Programm mit zwei Papierfächern, aber das ist schon Jahre her. Der wurde auch gerne im Businessbereich gekauft. Ich gucke mal, ob ich den noch im System finde ... (er suchte lange) Ah, da ist er. Sehen sie mal, den hatten wird das letzte Mal 2014 im Laden. Und ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass mich in den letzten Jahren jemand nach einem Drucker mit einem zweiten Papierfach gefragt hat. .... Mal sehen, ich muss in ein anderes System, ob davon noch einer auf Lager ist. In Filiale x und y gibt es den noch. Bestellen Sie ihn am besten über unseren Internetshop, dann bekommen sie ihn für x Euro."

Er versorgte mich noch mit Tipps: Am Strom lassen, sonst macht er immer wieder eine Reinigung, die viel Tinte verbraucht. Druckertreiber auf Graustufen stellen, dann verbraucht er auch weniger Farbpatronen.

Ich war heilfroh, doch noch eine Lösung für meine Bedürfnisse gefunden zu haben. Schrieb mir die Daten auf und dankte für seine Hilfe. Zu Hause bestellte ich das gute Stück im Internetshop des Elektronikmarktes.

Eigentlich hatte der Verkäufer ja Recht, von den meisten Lieferanten erhalte ich Rechnungen online (drucke sie mir dann aber doch selbst für die Buchhaltung aus), auch von den Energieversorgern, Telefonanbietern. Ich selbst mache ja auch viel Online, aber eben nicht alles. Ich drucke noch. Jeder Lieferung lege ich eine Quittung bei und für die Buchhaltung braucht man (noch?) echte Papierbelege. Auch sonst drucke ich mir wichtige Mails oder Artikel oder interessante Rezepte aus, um sie in Ruhe offline zu lesen. Für die Umwelt ist es sicherlich besser, wenn nicht so viel Papier gebraucht wird, weniger Druckerfarbe ... Hm. Wie mag das heute in den modernen Büros sein? Ich hatte wirklich einen Moment das Gefühl, ich bin auf einem alten Stand stehen geblieben. Ein Büro-Dinosaurier.

Mich erheitert das. Das ich dazu mal werde, hätte ich nicht gedacht. Auf der anderen Seite arbeitete ich auch schon seit Ende 2000 in keinem modernen, großen Unternehmen mehr. Ich weiß nicht, wie die Abläufe dort heute gehandhabt werden. Wird wirklich nicht mehr gedruckt? Geht alles online oder gar per App?

Ich habe auch noch einen Papierkalender aus richtig festem Papier für meine Termine, in den ich auch sonst viel notieren kann, weil gegenüber der Woche ein freies Blatt ist. Mit dem Online-Kalender kann ich mich einfach nicht anfreunden. Ich liebe Handgeschriebenes. Ich mag echte Post, echte Postkarten, echte Briefe - die in meinem Briefkasten draußen neben der Haustüre landen. Das ist etwas ganz kostbares. Wer weiß, wie lange es das noch gibt?

Vielleicht werde ich eines Tages im hohen Alter von Kindern einer Grundschule besucht, die sich nicht mehr vorstellen können, dass "früher" Tagebücher, Post, Einkaufszettel.... mit der Hand geschrieben wurden und wie das denn gehen würde? Und wie denn so ein ausgedrucktes Papier aus einem "Drucker" ausgesehen hat? Und wie sieht denn Handschrift aus? Gut, letzteres eher unwahrscheinlich, doch wer weiß wie sich alles entwickelt... Und dann gibt es nur noch Paketdienste und keine Briefträger mehr.

Gut, solange ich lebe, werde ich echte Briefe und Karten schreiben und sicherlich auch bekommen und auch auf meinem Drucker ausdrucken. Und bestimmt gibt es noch viele andere, denen es ähnlich geht. ;o)

Spannend, was sich alles verändert und weiter entwickelt. Wir leben in einer bewegten Zeit.

Liebe Grüße von einer Dinosaurierin

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg
Thema:

Mittwoch, 16 November, 2016

Heilwelt Natur - Dänemark (DK 2016 - Teil 2)

Wo ist die Zeit geblieben?
Seit meinem letzten Blogbeitrag über unsere Hütte am Meer am 21.10. sind die Wochen im nu verflogen. Wir haben heute den 16. November. Ich hatte ursprünglich gedacht, einen Blogbeitrag zum Meer pro Woche zu schreiben, um wieder eintauchen zu können in diese schöne Welt, doch das Leben hat andere Pläne... Es gibt so Monate im Jahr, da ist mehr zu tun, als Zeit vorhanden...

Nun denn, jetzt schreibe ich wieder über Dänemark, wo ich mich am Meer so wohl fühle. Heute über den schönsten ersten Moment und die Begegnungen mit Tieren, die mir so gut tun.

Der schönste Moment...
... ist der, wenn ich das erste Mal das Meer sehe. Ich bin voller Vorfreude und Sehnsucht, bis ich es endlich erblicke. Diese blaue Linie am Horizont. Mein Herz wird weit und ich fühle so etwas wie ein Heimatgefühl, obwohl ich seit meiner Geburt in Nordrhein-Westfalen wohne. Also fernab vom Meer. Es muss etwas altes in mir sein, das mich so berührt. Wenn ich gleichzeitig noch "La Mer" von Charles Trenet höre, bin ich einfach glücklich. Hier können Sie das Lied hören.

Tier-Begegnungen
Was mir große Freude bereitet, ist es Tiere aus nächster Nähe beobachten zu dürfen. Und das ist dort oben in der einsamen Natur gut möglich.

So sah ich eines abends von der Veranda etwas kleines, dunkelbraunes, das sich auf flinken Füßen zwischen den Häusern über den Rasen bewegte. Noch ehe ich genauer hinschauen konnte, war es verschwunden. Am nächsten Tag sah ich es wieder und ich näherte mich dem kleinen Tier vorsichtig. Es war ein kleiner Igel!

Er guckte mich mit seinen dunklen runden Augen neugierig an, seine Nasenspitze bewegte sich, er lies mich ein Foto machen und wanderte dann Richtung Pferdekoppel. Was für eine schönen Begegnung, die mich den ganzen Abend froh machte.

Die vier weißen Ponys auf der nahen Koppel zwischen den Ferienhäusern und der ansteigenden Klippe gaben ein beruhigendes Bild ab wie sie grasten, sich gegenseitig pflegten. Sie waren scheu, ließen sich nicht berühren, heranrufen wohl. Der Hengst sah ganz verwegen aus mit seinem dunklen langen Pony. Mir hatte er es angetan.

Wie ein Surferboy sah er aus und er verhielt sich wie kleiner Macho. Er verdrehte den drei Mädels, die mit ihm auf der Koppel grasten, sicherlich immer wieder den Kopf. ;o)

Bei Wind und Wetter, Tag und Nacht lebten sie auf der Koppel, oben an der angrenzenden Kirche bekamen sie Wasser und wenn es stark regnete, suchten sie oben in der Nähe der Kirche Schutz in riesigen Sanddorn- und Wildrosenbüschen. Nur erahnen konnte man sie, wenn sie dort standen.

Als ich auf der Düne zwischen Strand und dem Hinterland unterwegs war, bemerkte ich etwas braunes, felliges auf dem Trampelpfad, gerade einen Eßlöffel groß. Ich beugte mich vorsichtig herunter und sah, dass es eine klitzekleine runde Maus war, die in aller Ruhe an einem Grashalm mümmelte. Ich beobachtete sie eine zeitlang, machte ein Foto. Sie schien mich nicht wahrzunehmen. Ich stieg vorsichtig über sie hinüber.

Ich drehte mich um, sie hatte sich nicht bewegt. Welch unbekümmertes, vertrauensvolles Wesen. Ich beugte mich zu ihr hinab und sagte: "Was bist du für eine süße Maus." Kaum hatte ich meine Worte ausgesprochen, erschrack sie und verschwand blitzschnell im hohen Gras.

Wenn es feucht war, querten auf dem morgendlichen Weg hinauf auf die Klippe zahlreiche Schnecken mit Gehäuse unseren Weg. Zauberhaft ihre langsamen Bewegungen, die neugierigen Fühler und die beeindruckenden unterschiedlichen Schneckengehäuse.

Möven begegneten uns am Strand, wenn sie in Gruppen an der Wasserkante standen, um dann mit kräftigem Flügelschlag in die Höhe zu steigen und auf dem Meer zu landen und sich dort von den Wellen schaukeln zu lassen. Wie selbstverständlich sie mit Wasser und Wind umgehen, es sind ihre Elemente. Ich genieße es, ihnen zuzuschauen, besonders bei Wind, wenn sie über die Klippen und Dünen segeln bis hoch aufs Meer hinaus. Ein Gefühl von Freiheit, von Weite und Frieden löst das in mir aus. Ich bin einfach da und schaue. Als ein Sturm aufkam, habe ich mich an einem geschützten Ort auf die Dünenkannte gesetzt und riesigen Mövengruppen zugeschaut.

Sie segelten an der Küste entlang bis zum Leuchtturm, drehten dann und kamen zurück. Es schien ihnen große Freude zu machen, mit den Böen und den Luftströmungen zu spielen. Ein glückseliger Moment für mich, sie dabei beobachten zu können.

Gänseschwärme flogen auch dieses Jahr oft über uns hinweg. Ich liebe ihre Rufe, die Dynamik ihrer Gruppe und oben am Meer fliegen sie so tief übers Land, dass wir das Schlagen ihrer Flügel und ihr eigentümliches Piepsen hören können.

Wer gerne fotographiert, kennt das Phänomen vielleicht:

Die schönsten Begegnungen erlebe ich, wenn ich keine Kamera dabei habe. So an diesem Abend, den ich Ihnen deswegen beschreibe, ich habe davon keine Fotos. Ich blieb nach dem abendlichen Spaziergang mit unserer Hündin am Strand, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu beobachten. Das war von unserem Haus aus nicht möglich. Vierzig Minuten verbrachte ich da, beobachtete den Himmel, die Wolken, die sanften Wellen, die langsam herabsteigende Sonne. Je tiefer sie gen Horizont sank, desto intensiver wurde ihr Leuchten von Gelb über Orange bis Feuerrot.

Weit über dem Horizont schwebten einige Wolken, so dass die Sonne in einen grau-lila Wolkenhimmel eintauchte und wieder herauskam. So trug sie für eine kurze Zeit eine graue Augenbinde und erinnert mich an einen Ninja Turtle (diese Zeichentrick-Schildkröten, die Augenbinden tragen). Ich amüsierte mich köstlich. Innerhalb einer Minute ändert sich das Bild wieder. Die Meeresoberfläche spiegelt die Farben des Himmels, es ist ein ganz besonderes Licht und Stimmung. Möven kreuzen den Blick gen Horizont. In dem Moment, wo die Sonne ganz am wolkenlosen Horizont versank, flogen Schwärme mit Zugvögeln nur gefühlte 30 cm über die fast glatte Meeresoberfläche. Ich hörte ihre Rufe. Das sah so toll aus.

Was für ein Moment, diese Abendstimmung für Augen, Ohren und Herz. Berauschend. Als ich mich satt von diesem Erleben umdrehte, um zurück zum Ferienhaus zu gehen, ging über der Düne am dunkelblauen Himmel die riesige Mondscheibe auf. Hell strahlte der Vollmond. Wow! Besser konnte es kaum sein.

Für mich ist diese Zeit dort oben im Norden immer etwas ganz besonderes. Ich tanke Energie. Mir geht es dort und lange danach zu Hause richtig gut. Die Natur, die Tiere, Wind und Wetter, die Einsamkeit, all das lässt mich wohlfühlen. Körper, Seele und Geist heilen.

So viel für heute vom Meer. Ich freue mich auf den nächsten Aufenthalt hier im Blog am Meer! Teil 1 finden Sie hier: Eintauchen in eine andere Welt - Reiseziel: Eine einfache Holzhütte am Meer (DK 2016 - Teil 1)

Ihre Anja Kolberg

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Freitag, 21 Oktober, 2016

Eintauchen in eine andere Welt - Reiseziel: Eine einfache Holzhütte am Meer (DK 2016 - Teil 1)

Donnerstag morgen, 20. Oktober, es ist kurz vor acht, langsam wird es heller in Köln. Der Himmel grau, es hat (endlich) geregnet. Herbstwetter. So anders die Welt, in der ich vor einigen Wochen war. Dorthin möchte ich jetzt wieder eintauchen. Mir das Erleben zurück holen, mich erinnern. Und Sie nehme ich einfach mit - ans Meer, wo die Sonne scheint und Körper, Seele und Geist auftanken können und zur Ruhe kommen.

...~...

Wir reisen zum neunten Mal nach Dänemark, dieses Mal an einen Ort ca. 850 km von Köln entfernt, südlich des Limfjords an die Nordseeküste.

Morgens früh um halb vier startet mein Mann unseren voll gepackten Wagen. Ich bin um diese Zeit noch nicht fahrfähig, zuviel Schlaf fehlt mir. Wir sind um halb drei aufgestanden. Mein Mann will die Strecke alleine fahren. Das ist ihm lieber, weil wir so früher loskommen. Ich wäre erst bei Aufstehen um fünf, halb sechs einsatzfähig. Unsere Stressstelle auf dem Weg ist wie immer Hamburg.

Wir wollen möglichst früh durch den Elbtunnel sein, bevor der Verkehr beginnt. Nach Bremen die erste Umleitung. In Hamburg, wo wir gegen acht Uhr den Elbtunnel (Bild oben vom letzten Jahr vor dem Tunnel) passieren, folgt dann wie angekündigt eine Sperrung der Autobahn. Wir werden dank Navy von der Autobahn ab und durch einen Stadtteil gelotst und landen wieder auf der Autobahn. Auf diesem Stück erstaunlicherweise kein Stau, obwohl wir einige Ampeln passieren und durch Wohngebiet fahren. Stunden später, wie wir hören, sah das ganz anders aus. So hatten wir Glück und ich gestehe mir ein: Ein Navygationsprogramm ist doch nicht sooo schlecht. Mit einer Karte und Umleitungsschildern (die ich nicht gesehen habe) wäre das viel stressiger geworden.

Unsere Hündin Minu verbringt die Zeit brav in ihrer Hundebox. Darin kann sie aufstehen, sich drehen, schnarchen, ein bisschen was mitbekommen und Leckerchen vernaschen.

Die erste Rast steht an. Auf keinen Fall mehr Quickborn habe ich mir das letzte Mal geschworen. Dieser Rastplatz war so überfüllt und mit Minu einige Schritte gehen, das war keine schöne, sondern eine sehr vermüllte und schmutzige Sache. Diesmal steuern wir Brokenlande an. Ruhig, grün, sauber. Für die Rast bereite ich zu Hause für mich Sojaschnitzel (Aldi) vor, die ich im Backofen anröste. Für meinen Mann sind Frikadellen im Korb. In der Raststätte hole ich heiß gebrühten Kaffee und Tee sowie frische Brötchen. Nur ein Messer habe ich vergessen. Der nette Herr hinter der Kasse leiht mir das, um die Brötchen kurz aufzuschneiden. Freundlich, hilfsbereit - besser geht es nicht. Dort machen wir beim nächsten Mal wieder Rast. In Ruhe genießen wir mit unserer Hündin am Auto unser Frühstück, vertreten uns die Beine. Dann geht es zur nächsten Etappe Richtung Norden.

Um viertel nach zehn passieren wir die Grenze Richtung Dänemark. (Oben ein Bild aus dem letzten Jahr.) Es staut sich ein wenig, denn es gibt wieder Grenzkontrollen. Wir sind gut unterwegs, wir haben noch so viel Zeit, bis wir in unser Haus können ...

Während ich mir überlege, was wir erleben können, wenn wir oben angekommen sind und noch Zeit haben, staut sich plötzlich der Verkehr auf der sonst so ruhigen Autobahn in Dänemark. Über eine Stunde schleichen wir mit all den vielen Pkw (wo kommen die plötzlich her?) voran, bleiben immer wieder stehen. Der typische Dänemark-Urlauber auf der Autobahn gen Norden: Vollgepackt, zum Teil Fahrräder im Gepäck, meist ein Hund dabei und durch die Fenster sieht man Hundekörbchen oder Näpfe raus schauen...

Jetzt wissen wir, warum der Stau da ist: Die Autobahn ist gesperrt. Wir müssen abfahren. Verwirrung, keine Umleitung - wo lang? Nun kommt meine manuelle Karte zum Einsatz. Ich führe uns übers Land zu nächsten Autobahnauffahrt kurz vor Haderslev. Anderthalb Stunden haben wir insgesamt mit Stau und Umleitung gebraucht. Nun denn, wenigstens sind wir sonst gut durch gekommen. Der weitere Weg herauf zieht sich, um halb drei holen wir endlich den Schlüssel in der Ferienhausvermittlung ab. Das war eine Fahrt.

Nach elf einhalb Stunden unterweg sein erreichen wir ein kleines Ferienhausgebiet mit ca. 40 in den 70er Jahren gebauten Holzhäusern, die recht eng zusammen stehen, wie in einem Schutzraum zum Meer. Einfache Ausstattung, unterschiedlicher Renovierungsstand.

Drumherum: Weiden, eine Ponykoppel, Äcker, Windräder, Bauernhöfe, Dünen, Klippen mit einer Kirche und einem Leuchtturm.

Der Himmel bei der Ankunft: Blau. Es ist angenehm warm. Es gibt in dieser Siedlung, anders als wir es bisher gewohnt sind, einen gepflegten Rasen zwischen den Häusern. Sonst war es meistens wilde Heide- oder Dünenlandschaft, die ungestört vor sich hinwuchs. Hier gibt es eine Art Hausmeister, der sich um die Rasenpflege kümmert. Wir fahren den Schotterweg langsam durch die Häuserreihen, bis wir unser Haus entdecken. Als wir aussteigen, grüßt ein dänisches Pärchen auf der Terrasse neben uns. Ich schätze beide um die 70 Jahre. Die hier typischen kleinen Wagen stehen vor der Hütte. Große Pkw sieht man hier eher in den großen Städten.

Spannend ist immer wieder: Wie ist das Ferienhaus? Wie die Einrichtung? Fotos zeigen eben nicht alles. Wir hatten schon neue Häuser, ältere, Steinhäuser, Holzhäuser mit unterschiedlichem Renovierungsstand. Für uns zählt die Lage und Aussicht meist mehr (und für meinen Mann ganz wichtig: WLAN.) Meist nutzten wir die moderne Ausstattung nicht, weder den öfter vorhandenen Whirlpool (nur einmal, ich fand die obligatorische Chlortablette im Wasser jedoch sehr unentspannend), noch Sauna, Trockner oder Waschmaschine. Dieses Mal haben wir das erste Mal ein älteres Haus, das aber ein verlockendes Plus hat.

Die weiße Haustüre des blauen Häuschens wirkt einladend. Drinnen auf den ersten Blick alles ok. Ein großer Wohnraum, alles hell gehalten mit Küchenzeile, Essplatz und Couch mit TV und Kaminofen (die beiden streiten sich allerdings um ihren Platz, wie das auch immer gehen soll, wenn der Kaminofen an ist ...). Ein sauberes Badezimmer mit Dusche in einer Nische, Warmwasserboiler und WC und großem, modernen Waschtisch.

Drei kleine Schlafzimmer, eines mit Doppelbett, eines mit über Eck stehenden Einzelbetten und eines mit Etagenbetten. In letzterem sind die dunklen Holzwände nicht geweißt, sondern wohl noch in ihrem naturfarbenen Ursprungszustand. Kleiderschränke gibt es wie wir schon erlebt haben nicht, dafür sind Nischen mit Brettern und Kleiderstange in die Wände eingelassen. Die sonst typische und so praktische Kleiderleiste mit Haken an der Wand fehlt. Die Schlafräume liegen meist auf der ruhigeren Rückseite des Hauses, abgewandt von der Wind- und Wetterseite. So auch hier. Als Nachttisch halten weiße, aussortierte Bistrostühle her. Die Matratzen weich im Doppelbett, hart in den Einzelbetten. Aus dem Schlafzimmerfenster schauen wir auf einen kleinen Hügel mit riesigen Wildrosenbüschen, die in pink und weiß zwischen den orangeroten Hagebutten blühen.

Die weiße Ledercouch ist durchgesessen und abgewetzt. Gut so, dann brauchen wir uns keine Gedanken machen, dass wir bzw. eher unsere Hündin etwas beschädigt oder verschmutzt. Ein schwarzer Fernsehsessel trohnt vor dem einfachen Couchtisch. Leicht klebrig die Armablagen. Ich habe genügend Spannbetttücher zum Überziehen auch für die Sitzmöbel dabei, damit wir uns trotzdem wohlfühlen können. Mit den Jahren haben wir dazu gelernt... Das mache ich alleine schon wegen unserer Hündin, die wir nicht davon abhalten können, auf die Couch zu springen. Die Farben sind insgesamt in weiß-schwarz gehalten, ein moderner Teppich im Wohnzimmer und im Essbereich. Darunter auf dem Boden in der ganzen Hütte PVC in einem modernen Holzmuster, das macht einen frischen Eindruck.

Die Wände und Decken unseres Häuschens sind länger nicht mehr gestrichen worden. Die weiße Farbe ist übersäht mit toten Mücken und an den Ecken abgewetzt. Mit dem Streichen wurde es nicht so genau genommen, die unteren Bereiche der Regale sind nur so weit gestrichen wie man im Stehen schauen kann. Irgendwie ein entspanntes Gefühl.

Es gibt wenig Stauraum für die Kleidung und Lebensmittel. Da wir nur zu zweit sind, hält das dritte Zimmer mit Etagenbett und einer Kühlgefrierkombination (die wir nicht nutzen) als Gepäck- und Stauraum her. Die Küchenschränke werden etwas umgeräumt, damit Platz für die mitgebrachten Vorräte ist. Die Arbeitsplatten der Küchenzeile werden erst mal abgewischt, auch die Tische und einiges an Porzellan und Besteck gespült, was wir brauchen werden.

So richtig genau nahmen die Vorbesitzer es mit der Sauberkeit bis auf das Bad nicht. Damit muss man wohl leben, wenn die Endreinigung nicht obligatorisch ist. Die grauen Plastikgriffe der einfachen weißen Küchenzeile sind abgewetzt, der Kunststoff bröckelt ab. Eine Überwindung zu Beginn, sie anzufassen. Warum werden die nicht ausgetauscht? So günstig wäre mehr Wohlfühlen hergestellt. Auch der Geruch in den Räumen ein wenig verlebt, das berichten uns auch Urlauber aus anderen Häusern. Egal, wir haben dafür etwas mitgebracht und lüften ausgiebig. Mit der Zeit, wenn wir unseren eigenen Dreck hinterlassen haben, macht uns das alles nichts mehr aus. ;o)

Wir haben, was wir brauchen: Kühlschrank, Herd, Spüle - wir werden mit der Hand spülen, da es keine Spülmaschine gibt, was ich im Urlaub ziemlich gemütlich finde und einen großen Esstisch mit vier Stühlen vor dem Terrassenfenster. Die braunen Innentüren quietschen, die Türgriffe sind zum Teil alt und neu, gegen manche Türe müssen wir uns stemmen, um sie auf zu bekommen. Wir finden später heraus, dass die Hütte wohl einer älteren Dame gehört. Vielleicht hat sie selbst nicht die Möglichkeit, alles in Stand zu halten? Wir wissen es nicht. Wir sind froh, dass sie die Hütte dennoch vermietet. So wie sie ist.

Die Hütte ist von außen blau angestrichen, die Farbe blättert bei näherem Betrachten vom Holz. Die salzige Luft lässt Nägel schneller rosten. Das sieht man an den Deckenpanelen des Dachüberstandes auf der Veranda und an der Metallplatte des Kaminofens außen.

Vor den fast bodentiefen Wohnzimmerfenstern ist eine große, fast geschlossene Terrasse, zum Teil überdacht. Darauf eine moderne, schwarze Flechtsitzgruppe mit wunderschönem Esstisch. Wir verschließen den seitlichen Ausgang der mit Holz verkleideten Terrassenbrüstung mit einem mitgebrachten Gitter, so dass wir die Wohnzimmertüre auflassen und unsere Hündin stressfrei rumlaufen kann.

Nachdem wir ausgepackt haben, setzen wir uns mit einem Getränk auf die Terrasse und genießen das, was diese Hütte ausmacht. Gerade aus blicken wir auf eine Koppel auf der Ponys grasen, sehen rechts die ansteigenden Dünen Richtung Kirche und blicken gerade aus - ungehindert - aufs Meer. Das ist der Traum dieses Hauses. Gleich ob auf der Terrasse draußen oder vom Essplatz in der Hütte aus. Wir schauen aufs Meer. Ich bin glücklich. Brauche ich etwas anderes, als diesen Platz? Nein.

Ich nehme dafür alles alte in der Hütte in Kauf, auch die rutschenden Kissen der Couch oder dass oben in der Siedlung jemand sägt, bohrt, hämmert. Die Aussicht macht alles wett. Das ist unser Zuhause für unseren Urlaub und wir fühlen uns wohl. Ich bin dankbar, dies erleben zu dürfen.

Ein Spaziergang führt uns vorbei an der Koppel, an Wildrosenbüschen, durch die Dünen Richtung Meer. Spätestens jetzt sinken die Schuhe in feinsten Sand, dann folgen immer mehr Steine und Muscheln und der Blick aufs endlose Meer. Doch davon ein anderes mal mehr.

...~...

Ein Blick auf die Uhr, wir haben 9 Uhr. Unsere Hündin Minu sagt Bescheid: Jetzt ist es aber Zeit für die Gassirunde. Recht hat sie. Ich schreibe ein anderes Mal weiter.

Freitag vormittag, 21. Oktober. Ich habe den Text nochmals durchgelesen, mit Bildern versehen und werde ihn jetzt ins Netz stellen. Zuerst wollte ich alles fertig schreiben und dann erst veröffentlichen. Heute bin ich der Meinung: Stück für Stück immer wieder in diese Welt abtauchen ist noch schöner. Also bis zum nächsten Mal, wo es weiter mit unserer Urlaubsreise geht ...

Ihre Anja Kolberg

Nachtrag: Weiter geht's mit dem Bericht vom Meer hier mit Teil 2.

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Samstag, 15 Oktober, 2016

Der Shop hat geöffnet!

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Liebe Kundinnen, liebe Kunden,

Verkaufsstart im Webshop. Treten Sie ein und schauen Sie sich die neuen Tischkalender 2017 an. Zusätzlich biete ich Minikarten-Sets, ein Verwöhnpaket, Monatliche Impulse via Mail und Geschenkkarten an.

Auch dieses Jahr gibt es eine gratis Zugabe: Wenn Sie 10 Kalender (beide Motive gelten) in einer Lieferung bestellen, erhalten Sie das Minikartenset 'Liebevoll' gratis dazu. Dieses Gratis-Angebot gilt pro 10 Kalender, d.h. für 20 Kalender in einer Bestellung erhalten Sie zwei der Minikartensets usw.

Viel Freude beim Stöbern!

Ihre Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg
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