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Ein schöner Tag & Motivtorten-Odyssee

Der schöne Tag war der 60. Geburtstag meines Onkels, den wir am Sonntag gefeiert haben.

Mein Onkel lebt zusammen mit meiner Patentante und Oma (ja, dort wo ich immer die kleinen Urlaube verlebe) in einem schönen Häuschen in einem riiiiiesigen Garten, das in einem Miniörtchen mit 11 Hausnummern im Bergischen Land liegt. Und dort war Party angesagt.

Unzählige Luftballons, Schubkarren mit Leckereien für die Männer, Blumen, Leckereien für den Bauch, viel Platz, Tische, nette Menschen und ein Wetter, das mitgespielt hat. Es war eine rundum gelungene Feier. Erst als es dunkel wurde, sind wir nach Hause gefahren.

Ich habe meine Onkels (mein Papa hat 4 Brüder und 1 Schwester) drücken können (bei uns fällt man immer weich ;o) - und Cousins und Cousinen wieder gesehen und die Nachbarn aus dem Örtchen, in dem ich aufgewachsen bin. Das hat einen Spaß gemacht! Unter den Freunden von meinem Cousin ist auch einer, der im gleichen Autohaus die Lehre gemacht wie ich. :o) Da gibt es viel zu erzählen.

Die Kamera und unseren schönen Goldrahmen hatte ich dabei, so dass ich Bilder von allen Pärchen machen konnte. Ich war voll in meinem Element. Hat das einen Spaß gemacht. Als wir am Abend nach Hause fuhren, hatte ich das Gefühl, unter einer Energiedusche gebadet zu haben und noch viele Eimer voll Energie hinten im Auto mit nach Hause zu nehmen. Das war toll. Wie schön ist das, so viele Menschen wieder zu sehen, sich an die früheren Zeiten zu erinnern und daran, was ich für eine wunderschöne Jugend gehabt habe!!

Dem Geburtstagskind hatte ich einen Kuchen gebacken. Franz macht ja die tollen Vogelhäuschen, die ich so liebe und schon auf manchem Foto verewigt wurden.  Und da wollte ich mich mit einem Kuchen revanchieren. Schon vor einigen Wochen hatte ich eine Motivtorte auf www.chefkoch.de gesehen und war fasziniert. Es juckte mich immer mehr und dann habe ich es gewagt: Ja, ich wollte meine erste Motivtorte backen. Ich hätte es mir einfacher machen können, in dem ich eine normale, runde Torte backe und sie verziere, aber ich wollte gleich Schwierigkeitsstufe 10: Ein Vogelhäuschen, das an einem Baumstamm hängt sollte es sein. Mein Mann meinte, ob das nicht schwer wäre, aber ich hörte gar nicht richtig hin... (hätte ich doch).

Also habe ich Marshmallows (die weißen, weichen Zuckerspeck-Röllchen, die man über dem Lagerfeuer warm machen kann) für den Fondant (Zuckerüberzug) gekauft, Puderzucker, Lebensmittelfarbe, Rezepte für Füllungen rausgesucht und dann am Wochenende losgelegt.

Die Marshmallows wurden erwärmt, dann kam 1 kg Puderzucker darunter und das ganze wurde geknetet, was das Zeug hält. Es war schweißtreibend und klebte und zog Fäden bis es zu trocken war. Irgendwann hatte ich einen RIESENmarshmallow. Wow! Der wurde luftdicht verschlossen und zur Seite gelegt.

Das Häuschen und auch der Baumstamm sollten eine runde, hohe Form bekommen. Wie ein echtes Häuschen eben. Auch da gab es im Forum Hilfe: Einen Kochtopf nehmen. Habe ich gemacht: Für das Häuschen den Milchtopf, für den Baumstamm einen größeren Topf und darin einen festen Kuchen gebacken. Irgendwie leitete die Wärme nicht so richtig beim Backen, der Kuchen musste lange im Ofen bleiben, bis er gar war und dann war etwas trocken... Hust. Also musste eine super Füllung her. Hm, eine mit Jogurt und Pfirsisch und eine Buttercreme aus Pfirsisch-Pudding. Lecker! Alle Rezepte aus dem Forum von den fleißigen Sammlerinnen. Am nächsten Tag versuchte ich den Kuchen aus dem Milchtopf zu bekommen. Ging nicht. Feste schütteln. Hm. Der Topf war unten weiter als oben - her mit dem Messer, jetzt sah er nicht mehr so gut aus, eh egal, weil der Rand ja so trocken... Ich schnitt mich zur weichen Mitte hin. :o) Damit waren zwei Proleme gelöst.

Dieser Fondant soll sich leicht färben lassen. Nicht bei mir. Es war die Hölle. Ich habe geschwitzt, geknetet. Nix zu machen, sah nicht braun aus, sondern rosa. Ich war der Verzweiflung nahe. Ich habe den Marshmallow-Fondant ausgerollt, die gefüllte und gestapelte Torte damit kunstvoll eingepackt. Die Küche versank im Chaos. Die Buttercreme klebte am Zuckerüberzug, noch schlimmer die Krümmel von der Torte. AAAAAAH! Und dann sah das Vogelhäuschen zu meinem Schreck auch noch aus wie ein Pilz, weil ich kein schräges Dach hinbekam! Mist! Ich wollte alles hinschmeißen - ab damit in die Mülltonne und nicht mehr darüber nachdenken. Aber das brachte ich dann doch nicht über's Herz. Wie konnten die Leute im Forum schreiben, dass man nach der ersten Torte gar nicht mehr aufhören kann?

Weil das Einfärben nicht klappte, habe ich den weißen Überzug mit verdünnten Lebensmittelfarben angemalt. Das darf man eigentlich nicht, weil der Überzug dann durch die Flüssigkeit weich wird, war mir aber dann egal. Besser als ein rosa Baumstamm! Durch das Anmalen wurde es zwar etwas glitschig auf der Oberfläche, hielt aber irgendwie doch. Zwischendurch war ich immer wieder so genervt und unzufrieden mit dem Ergebnis, dass ich wieder kurz davor war, alles hinzuschmeißen. Jetzt verstand ich die vielen Hilferufe im Forum "Brauche dringend Hilfe, Fondant ....". Ich fühlte mich wie in der Hölle. Ich hätte mir ja helfen lassen können (mein Schwager ist Konditor, meine Schwiegermutter hatte viele Zutaten zu Hause), aber nein, die Anja will es alleine machen. Über dieser Situation (die Streßskala hatte schon seit 1/2 Stunde höchste Alarmstufe), kam mein Mann von draußen herein und sagte: Die sieht aber gut aus. Meine Rettung! Ich beruhigte mich und schöpfte Hoffnung auf ein gutes Ende. Noch Vögelchen gebastelt, Blätter, ein Würmchen, eine grüne Wiese, ein Blümchen. Ja, so ging es. Auch wenn es ziemlich stark von dem Bild abwich, was ich im Kopf hatte. Der Freund meines Mannes meinte, es wäre ein Pilz und verbesserte sich schnell: nein, ein Vogelhäuschen. Puh!

Ich schlief die Nacht nicht besonders ruhig, weil der Baumstamm eine leichte Schieflage hatte, der Überzug warf komische Falten. Die Überraschung am Sonntagmorgen: Er hatte gehalten. Yipieh! Jetzt musste er nur noch die Fahrt durch die vielen Kurven ins Bergische überstehen. Immer diese Überraschung, das er trotz Schieflage wirklich standhielt! Jaaaaa!

Endlich konnte ich mein Werk meinem Onkel überreichen und die Überraschung ist gelungen. Dafür war das die ganze Mühe wert! Und nicht nur mein Onkel hatte Spaß daran, auch die anderen. Das beste Kompliment, das ich gehört habe war: "Das hast du selbst gemacht? Ich dachte, die Torte wäre vom Konditor!" Hm, das geht runter wie Öl!

War doch nicht so schlecht wie ich am Samstag dachte. Und geschmeckt hat sie auch. :o) Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe und auch ein bischen stolz. Vielleicht war es doch nicht meine letzte? Das nächste Mal aber einfacher!

Wenn Sie mehr über Motivtorten erfahren möchten, hier ist der Link zum Chefkoch-Forum.

Herbstliche Grüße

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 06 September, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Kreative Projekte
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